Azure Virtual Desktop Hybrid lässt Session Hosts on-premises laufen
Im November 2025 hat Microsoft bei Ignite eine Hybrid-Variante von Azure Virtual Desktop angekündigt. Seit Frühjahr 2026 läuft die Public Preview, im Mai 2026 hat Microsoft den Status auf dem Windows-IT-Pro-Blog noch einmal bestätigt. [1][2][3] Hybrid AVD ermöglicht es Unternehmen, ihre Workloads auf bestehender On-premises-Infrastruktur zu betreiben, während Brokering, Workspace-Zuweisung, Entra-Integration und Verwaltung im Azure-Service laufen. Die Session Hosts können wahlweise als virtuelle Maschinen auf einem beliebigen Hypervisor oder direkt auf einem physischen Windows Server betrieben werden, was einen schrittweisen Übergang in Richtung Cloud erleichtert. Themen wie Datenschutz und kritische Infrastrukturen werden dabei deutlich vereinfacht, weil die Workloads weiterhin im eigenen Rechenzentrum laufen.
Aufbaue der Hybrid-Architektur
Das Bindeglied zwischen den lokalen Session Hosts und dem Azure-Service ist Azure Arc. Eine Windows-VM oder ein physischer Windows-Server wird zunächst als Arc-enabled Server an Azure angebunden. Eine AVD-spezifische Arc-Extension wird anschließend auf der Maschine installiert, registriert sie als Session Host im Service und hält die Verbindung zur AVD-Kontrollebene aufrecht. Die Session-Vermittlung, Conditional Access, Multi-Faktor-Anforderungen und das Listing der RemoteApps und Desktops im Windows-App-Client funktionieren dadurch genauso wie bei einem klassischen AVD-Host in Azure. [1][3][4]

Diese Aufteilung hat eine wichtige Konsequenz für den Betrieb. Für die Bereitstellung, Lebenszyklus-Verwaltung und das Power-Management der VMs ist Microsoft nicht zuständig. Funktionen wie Auto-Scale, Start VM on Connect, Session Host Configuration und die Power-Management-Funktionen im Azure-Portal sind im Hybrid-Modell ausdrücklich nicht enthalten. Die VM-Wartung läuft mit den Werkzeugen, die in der jeweiligen Plattform vorhanden sind, also Hyper-V Manager, vCenter, Prism Central oder eine entsprechende Partnerlösung. [1]
Multi-Platform Support
Microsoft formuliert die Plattform-Anforderung bewusst offen. Unterstützt ist jeder On-premises-Hypervisor, der Windows-VMs ausführen kann. Konkret genannt sind Microsoft Hyper-V, Nutanix AHV und VMware vSphere. Daneben funktioniert die Lösung auch auf physischen Windows-Server-Maschinen, also ohne Hypervisor-Schicht. Voraussetzung in allen Fällen ist, dass sich die Maschine als Arc-enabled Server an Azure anbinden lässt. [1][2]
Diese Plattform-Offenheit ist auch der wichtigste Unterschied zur verwandten Variante Azure Virtual Desktop for Azure Local. Bei Azure Local liefert Microsoft den HCI-Software-Stack inklusive VM-Provisioning und Cloud-Management mit, die Hardware kommt aus dem validierten Partner-Ökosystem. Im Hybrid-Modell entscheidet die Organisation selbst, wie und worauf die VMs entstehen und wer sie betreibt. [2]
Unterstützte Gast-Betriebssysteme
Auf der Server-Seite sind Windows Server 2016, 2019, 2022 und 2025 zugelassen, sowohl als virtualisierte Session Hosts als auch direkt auf physischer Hardware. Lizenzseitig läuft das über RDS CAL mit Software Assurance (per User oder per Device) oder über RDS User Subscription Licenses. [1]
Auf der Client-Seite sind Windows 10 und Windows 11 in der Enterprise-Edition unterstützt, allerdings ausschließlich als VM-Workload und nicht auf physischer Hardware. Berechtigung kommt aus Microsoft 365 E3, E5, A3, A5, F3, Business Premium, dem Student Use Benefit, Windows Enterprise E3 oder E5, Windows Education A3 oder A5 oder einer Windows-VDA-per-User-Lizenz. Für externe kommerzielle Szenarien lässt sich zusätzlich das Per-user-Access-Pricing über eine eingeschriebene Azure-Subscription nutzen. [1]
Eine wichtige Einschränkung betrifft die Multi-Session-Varianten. Windows 11 Enterprise multi-session und Windows 10 Enterprise multi-session sind im Hybrid-Modell nicht unterstützt. Wer multi-session betreiben will, bleibt entweder in der klassischen AVD-Cloud-Variante oder weicht auf Windows Server aus. [1]
Über die User-Berechtigung hinaus verlangt Microsoft eine Service-Lizenzierung für den Service "Windows Cloud Hybrid", in der Doku auch als "Azure Virtual Desktop Hybrid license" geführt. Das Pricing dazu ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht final, während der Public Preview wird die Lizenz nicht eingefordert. Wer schon jetzt produktiv plant, sollte das im Auge behalten und einkalkulieren, dass sich die Kostenseite in der GA-Phase noch konkretisiert. [1]
Ablauf von VM-Bereitstellungen
Die VM-Provisionierung gehört im Hybrid-Modell grundsätzlich nicht zum Service-Umfang, das ist eine Designentscheidung und ändert sich auch mit dem GA-Release nicht. Microsoft setzt stattdessen auf Partner-Integrationen. In den Berichten zur Ignite-Ankündigung werden ControlUp, LoginVSI, Nerdio und Nutanix genannt, im Mai-Update auf dem Windows-IT-Pro-Blog stehen LoginVSI, Nerdio und Nutanix als Launch-Partner im Vordergrund.
Die Schwerpunkte der Hersteller unterscheiden sich erheblich. ControlUp deckt klassischerweise Monitoring und Diagnose ab, LoginVSI ist auf Last- und Performance-Tests spezialisiert, Nerdio adressiert Image-Building, Skalierung und das laufende Lifecycle-Management, Nutanix bringt Hypervisor und VM-Verwaltung selbst mit. Welche Kombination passt, hängt davon ab, welche Bausteine im eigenen Stack noch fehlen. [2][3][4]
Einschränkungen der Public Preview
Die Vorschau ist ausdrücklich auf Validation Host Pools beschränkt. Wer in der aktuellen Phase einen produktiven Host Pool aufzieht, muss diesen mit dem GA-Release von Windows Cloud Hybrid neu deployen. Microsoft formuliert das in der Doku unmissverständlich. [1]
Wo Hybrid AVD wirklich passt
Das Modell zielt vor allem auf zwei Anforderungsprofile, die im reinen Cloud-AVD bisher unbequem waren. Wenn regulatorische Vorgaben oder branchenspezifische Anforderungen verlangen, dass Daten und Verarbeitung im eigenen Land oder im eigenen Rechenzentrum bleiben, war ein Cloud-only-AVD bisher schwer argumentierbar. Branchen wie Gesundheitswesen, Finanzdienstleister, öffentlicher Sektor und Teile der Industrie kennen das Muster. Daneben profitieren latenzempfindliche Anwendungen, etwa in der Fertigung oder bei CAD- und Design-Workloads, weil die WAN-Strecke zur nächstgelegenen Azure-Region wegfällt und die Session direkt im lokalen Netz endet.
Hinzu kommen Organisationen, die in ihre On-premises-Hardware noch substanzielle Investitionen offen haben oder einen schrittweisen Cloud-Übergang gestalten wollen, ohne den End-User-Computing-Stack vorab komplett umzustellen. Microsoft positioniert das Modell genau so, als Möglichkeit, bestehende VDI-Umgebungen im eigenen Tempo zu modernisieren, ohne vorhandene Investitionen aufzugeben. Die zentrale Verwaltung läuft bereits im modernen Cloud-Modell, die Workloads bleiben aber dort, wo sie heute schon sinnvoll laufen. [3]
Quellenangaben
- [1] Azure Virtual Desktop Hybrid Overview | Microsoft Learn
- [2] Announcing new hybrid deployment options for Azure Virtual Desktop | Microsoft Tech Community
- [3] Windows 365 and Azure Virtual Desktop, Expanding Access | Microsoft Windows IT Pro Blog
- [4] Azure Virtual Desktop Goes Fully Hybrid with Arc-Enabled Servers | InfoQ
- [5] What's New & What's Next in Azure Virtual Desktop, Microsoft Ignite 2025 | DataON
- [6] Configure validation environment | Microsoft Learn